Seminar: BA S Hi/S16/3a Soziologie der Zeit und Zeitstrukturen (in) der Sozialen Arbeit - Details

Seminar: BA S Hi/S16/3a Soziologie der Zeit und Zeitstrukturen (in) der Sozialen Arbeit - Details

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Allgemeine Informationen

Veranstaltungsname Seminar: BA S Hi/S16/3a Soziologie der Zeit und Zeitstrukturen (in) der Sozialen Arbeit
Veranstaltungsnummer BA S Hi/S16/3a
Semester WiSe 2026/27
Aktuelle Anzahl der Teilnehmenden 19
maximale Teilnehmendenanzahl 35
Heimat-Einrichtung Stg BA Soziale Arbeit Hildesheim (BA S Hi)
Veranstaltungstyp Seminar in der Kategorie Lehre
Nächster Termin Donnerstag, 15.10.2026 14:00 - 16:00, Ort: HIB_214 Seminarraum mit Beamer
Art/Form Seminar
Voraussetzungen Die kontinuierliche Teilnahme wird ebenso vorausgesetzt, wie entsprechend zuverlässige Vor-und Nachbereitung der Sitzungen. Das Seminar ist vorbehaltlich der dann gültigen Regelungen als Präsenz-Seminar mit einigen Blended-Learning- Einheiten konzipiert.

Daneben: Interesse an gemeinsamen Lernen und Austausch !
Leistungsnachweis Sämtliche im Modulhandbuch vorgesehene Formen der Prüfungsleistungen sind entsprechend der PO möglich.
SWS für Studierende 2

Räume und Zeiten

HIB_214 Seminarraum mit Beamer
Donnerstag: 14:00 - 16:00, wöchentlich (14x)
(Querwoche)
Donnerstag: 14:00 - 16:00, wöchentlich (1x)

Studienbereiche

Modulzuordnungen

Kommentar/Beschreibung

Bereits 1992 verwies Hans Thiersch darauf, dass wir in einer „Zeit der Sozialen Arbeit“ leben. Die Soziale Arbeit hat seit den 1990er Jahren für immer mehr gesellschaftliche Bereiche und für immer mehr Menschen in modernen Wohlfahrtsstaaten weiter an Bedeutung gewonnen. Vielschichtige soziale und individuelle Herausforderungen des Alltags, Armutslagen, Benachteiligungen oder Krankheiten sind oft nur mit situativer und/oder längerfristiger professioneller Unterstützung zu bewältigen. „Zeit“ bildet demnach eine zentrale Kategorie in Sozialpolitik und Sozialarbeit, findet aber aber all zu oft - mangels Zeit - kaum eine genauere Aufmerksamkeit.
Damit ist in einer historischen und sozialpolitischen Perspektive die Dimension „Zeit“ direkt benannt. Doch welchen Stellenwert hat die Dimension „Zeit“ heute in der Sozialen Arbeit? Welche Vorstellungen, welche Verständnisse und Dimensionen von „Zeit“ prägen die Theorie/n und die Praxis Sozialer Arbeit?
In der Literatur wird zwischen „Chronos“ im Sinne chronologischer und lineare Vorstellungen von Zeit und „Kairos“ als dem „situativ genau passenden Augenblick“ unterschieden. Damit deuten sich bereits unterschiedliche Varianten im Verständnis von „Zeit“ an, die im Seminar in ihren historischen und philosophischen Grundlagen einführend thematisiert werden. Die Soziologie diagnostiziert für heutige Gesellschaften und im Alltag vieler Menschen eine „Beschleunigung“, die fast alle Lebensbereiche umfasst (Geißler 2004, Rosa 2005). Gleichzeitig wird vielerorts ein Bedürfnis nach „Entschleunigung“ deutlich. In der Philosophie und Sozialpsychologie wird vom „überforderten Subjekt“ gesprochen und diese Überforderung wird vor allem zeitlich gesehen (Fuchs u.a. 2018). Während einzelne gesellschaftliche Gruppen über „Zeitreichtum“ verfügen, wird für andere eine „Zeitarmut“ diagnostiziert und immer mehr gewinnt eine sogenannte „Zeitpolitik“ an Beachtung, die übergreifend für verschiedene Politik- und Berufsfelder ihre Relevanz entfaltet und zu einer Umverteilung von Zeit(en) beitragen soll. In anderen Regionen, Kulturen und in indigenen Gesellschaften gelten völlig andere Vorstellungen von "Zeit" als in westlichen Wohlfahrtsstaaten etabliert sind. Zugleich sind diese "anderen Zeitvorstellungen" in einer interkulturellen Sozialen Arbeit besonders zu berücksichtigen.
Wie und wodurch „Zeit“ und „Zeiten“ (in) der Sozialen Arbeit wesentlich geprägt werden, ist zentraler Gegenstand des Seminars. Exemplarisch werden diese Fragen für ausgewählte Handlungsfelder näher untersucht und theoretische Grundlagen dazu vermittelt. Darauf aufbauend werden Konzepte der Lebenslauf- und Biografieforschung (Kohli 1998) und biografische Ansätze in der Sozialen Arbeit praxisnah dargestellt (Ruhe 2014). Auch die dynamische Armutsforschung nimmt die Zeit- und Verlaufsperspektive direkt auf (Leibfried/Leisering 1995). Für ausgewählte Handlungsfelder, wie z.B. für die Wohnungslosenhilfe, die Suchtkrankenhilfe, Soziale Schuldner- und Insolvenzberatung, Kinder- und Jugendhilfe, bzw. ausgehend von den fachlichen Interessen der Studierenden werden dann spezifische „Zeitverständnisse“, „Zeitstrukturen“, Übergänge und Wendepunkte, sowie Beratungsdauern, Verlaufsmuster und „Drehtüreffekte“, Zugänge und Wartezeiten, Fristenregelungen, Laufzeiten (z.B. von Hilfeplänen) im Seminar genauer behandelt und gemeinsam diskutiert.
Aktuelle Herausforderungen und Zukunftsperspektiven einer neuen „Zeitpolitik“ werden deutlich an Themen wie „Nachhaltigkeit“ (Opielka 2017, Böhnisch 2020), Forderungen nach „Entschleunigung“ (Rosa 2005), sowie an der Forderung nach mehr „Zeitsouveränität“ in der Sozialen Arbeit (Görtler 2023). Neue Arbeitszeitmodelle, wie der „6-Stunden-Tag“ bzw. die „4-Tage-Woche“, „Lebensarbeitszeitkonten“, oder auch das „Sabbath-Jahr“ und andere Modelle werden direkt im Kontext der Forderung nach einer verbesserten „Work-Life-Balance“ thematisiert. Diese sind auch für die Soziale Arbeit von hoher Relevanz. Perspektivisch lässt sich konstatieren, dass für gelingende Soziale Arbeit vor allem Vertrauen grundlegend ist. Doch gerade Vertrauen erfordert Zeit (Arnold 2009) und gilt nach Luhmann (2000) sogar als „vorweggenommene Zeit“. Auch insofern wird die hohe Relevanz von „Zeit“ für die Soziale Arbeit soziologisch und fachlich-methodisch unmittelbar deutlich.
Als Prüfungsleistungen sind nach Absprache Referate und Hausarbeiten möglich. Diese können auch in Form von Rezensionen bzw. Buchbesprechungen erbracht werden.
Die Absolvierung einer Prüfungsleistung setzt die regelmäßige Teilnahme am Seminar voraus.
Ein genauer Seminarablaufplan inklusive Literaturempfehlungen wird zu Beginn der Vorlesungszeit über Stud.ip zur Verfügung gestellt. Die Absprache der Prüfungsleistungen und inhaltlichen Schwerpunkte erfolgt in den ersten drei Sitzungen des Semesters im Seminar (nicht per E-mail).

Anmelderegeln

Diese Veranstaltung gehört zum Anmeldeset "S16/KP16 (PO24)".
Zwei Veranstaltungen aus drei Themenfeldern wählen
Folgende Regeln gelten für die Anmeldung:
  • Mindestens eine der folgenden Bedingungen muss zur Anmeldung erfüllt sein:
    • Abschluss ist Bachelor und Studienfach ist Soziale Arbeit (Hi) und Fachsemester mindestens 5
    • Abschluss ist Bachelor und Studienfach ist Kindheitspädagogik und Fachsemester mindestens 5
  • Die Anmeldung ist möglich von 16.09.2026, 08:00 bis 18.10.2026, 23:59.
  • Die Anmeldung zu maximal 2 Veranstaltungen des Anmeldesets ist erlaubt.
  • Es wird eine festgelegte Anzahl von Plätzen in den Veranstaltungen verteilt.
    Die Plätze in den betreffenden Veranstaltungen wurden am 21.09.2026 um 12:00 verteilt. Weitere Plätze werden evtl. über Wartelisten zur Verfügung gestellt.
Veranstaltungszuordnung: